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Aktuelles auf einen Blick

Wolfenbütteler Kreistag macht den Weg frei für schnelles Internet: Landkreis vergibt Konzession an Hannoveraner Firma htp - Jetzt beginnt die Feinplanung – Netzausbau soll 2015 beendet sein

16.10.2012

Glasfaserkabel (Lichtwellenleiter) werden im Erdboden verlegt. (Fotos: htp GmbH)
Den rund hundert „weißen Flecken“ im Landkreis Wolfenbüttel geht es an den Kragen: Orte, in denen sich die Internetverbindungen langsam aufbauen, soll es spätestens ab Ende 2015 im Kreisgebiet nicht mehr geben. Mit seinem einstimmigen Beschluss für eine Konzessionsvergabe an die htp GmbH aus Hannover als Netzbetreiber (Provider) hat der Wolfenbütteler Kreistag am Montagabend den Weg für schnelle Datenautobahnen im gesamten Landkreis frei gemacht.

„Die Breitbandversorgung ist für den ländlichen Raum die zentrale Herausforderung, um langfristig wettbewerbsfähig und attraktiv für Bürgerinnen und Bürger sowie für die Betriebe im Landkreis Wolfenbüttel zu sein“, sagt Landrat Jörg Röhmann. „Mit seinem Beschluss zur Konzessionsvergabe hat der Kreistag einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Dieser Erfolg war nur möglich, weil alle Kommunen im Landkreis Wolfenbüttel hinter dem Projekt stehen und an einem Strang ziehen. Auch die Unterstützung durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium, das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium und das Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen war sehr gut“.

Jetzt beginnt beim Landkreis gemeinsam mit dem Provider die Feinplanung: Bis Ende des Jahres sollen die Tiefbauarbeiten für den Ausbau von rund 230 Kilometer umfassenden Leerrohrnetzen mit Glasfasern ausgeschrieben werden, damit im Jahr 2013 mit der praktischen Umsetzung begonnen werden kann. Wann das genau sein wird, ist unter anderem von der Witterung und von noch einzuholenden Genehmigungen von Grundstücksbesitzern abhängig. „Wir wollen versuchen, dort zu beginnen, wo bereits sogenannte „Backbones“ von htp vorhanden sind, über die der Zugang zum weltweiten Netz bereits jetzt möglich ist. Das wird im Bereich Hordorf/Schandelah, in der Stadt Wolfenbüttel im Ortsteil Adersheim und im nördlichen Gebiet der Samtgemeinde Baddeckenstedt sein“, informiert Umwelt- und Baudedezernent Claus-Jürgen Schillmann.

Wann genau welcher Ort an der Reihe ist, könne in der jetzigen Planungsphase noch nicht mitgeteilt werden. Klar ist auf jeden Fall: Die Ausbauphase soll spätestens bis zum Sommer 2015 beendet sein. Bis dahin sollen die bisher unterversorgten Gebiete mit einer Leistung von mindestens 25Mbit/s Download internetfähig sein. Für den Ausbau seiner Breitbandversorgung investiert der Landkreis Wolfenbüttel eine Summe von rund 11 Millionen Euro. Für die 230-Kilometer-Breitbandnetze sollen unter anderem 144 Technikschränke und vier Ortsvermittlungsstellen direkt in den Ortschaften mit DSL-Technik ausgerüstet werden.

  „Auf jeden Fall werden wir gemeinsam mit htp in den Gemeinden Informationsveranstaltungen für die Einwohnerinnen und Einwohner anbieten“, sagt Peter Scheer, der in der Sitzung am Montag zum Werksleiter des Breitbandbetriebes Landkreis Wolfenbüttel bestellt worden ist. Scheer war innerhalb der Landkreisverwaltung auch bis jetzt zuständiger Leiter des Breitbandprojektes.

Das neue Netz mit Leerrohren und Glasfasern wird durch den Landkreis ausgebaut und der htp im Rahmen einer Dienstleistungskonzession für einen Zeitraum von zwanzig Jahren überlassen. Es ist laut gesetzlicher Vorgabe offen für jeden weiteren Provider, der es nutzen will. Der Vertragspartner htp soll das vom Landkreis erstellte Netz nutzen, dauerhaft betreiben und unterhalten. Damit das Vorhaben im Kostenrahmen bleibt, wurden in der europaweiten Ausschreibung entsprechende Vorgaben gemacht.

Insgesamt hatten sich acht Unternehmen an dem Wettbewerb beteiligt: Das Rennen machte htp, die als DSL- und Telefonanbieter bereits im Wirtschaftsdreieck Hannover – Braunschweig – Hildesheim vertreten ist. Die Firma ist zu je 50 Prozent eine Tochter der Stadtwerke Hannover und der EWE AG Oldenburg.

„Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Projekt gemeinsam mit dem Landkreis durchführen können“, sagt htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann. „Als regionales Unternehmen betrachten wir es als unsere Verantwortung, unsere Region durch den Aufbau einer guten Breitband-Infrastruktur zu stärken. Deshalb ist der Ausbau im Landkreis Wolfenbüttel nach unserem VDSL-Ausbau in den Landkreisen Hildesheim und Peine der logisch nächste Schritt.“

htp verfügt über umfangreiche Erfahrung beim Aufbau von VDSL-Technik im ländlichen Raum: Seit 2010 hat das Unternehmen in 65 „weißen Flecken“ in der Region Hannover und den Landkreisen Hildesheim und Peine VDSL-Technik aufgebaut, 19 weitere Gebiete werden zurzeit erschlossen und für sechs Ortschaften prüft htp die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus. Bis jetzt hat das Unternehmen über 11 Millionen Euro in den Breitband-Ausbau investiert. Für den Ausbau im Landkreis Wolfenbüttel rechnet htp seinerseits mit Investitionen in Höhe von 5,4 Millionen Euro.

Das Thema schnelles Internet ist beim Landkreis Wolfenbüttel seit zwei Jahren aktuell: Im Jahr 2010 hatten der Landkreis und seine Kommunen eine Kooperationsvereinbarung über die Erschließung des Kreisgebietes mit einer zukunftsfähigen Breitbandinfrastruktur unterzeichnet.

Mit dem flächendeckenden Ausbau seiner Breitbandversorgung in eigener Regie übernimmt der Landkreis Wolfenbüttel eine Vorreiterfunktion. „Es gibt zwar Landkreise, die Ähnliches für Teilbereiche in die Hand genommen haben“, sagt Peter Scheer. „In diesem Umfang ist das Projekt nach unseren Informationen jedoch bundesweit einmalig“.
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