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30.11.2018

Förderung für Baudenkmale: Kunststoffhaus »fg 2000« mit Seltenheitswert

In Erkerode, an den Hängen des Elms, steht ein einzigartiges Baudenkmal: Es ist mit 43 Jahren nicht nur das jüngste denkmalgeschützte Haus im Landkreis Wolfenbüttel, sondern auch aufgrund der verwendeten Baustoffe bemerkenswert: Es ist aus Kunststoff. Bewohnt wird das Haus von Sonja Saalfeld und Peter Glaser. Jetzt muss die große Fensterfront des 1975 gebauten Hauses denkmalgerecht saniert werden. Dazu haben die beiden einen Antrag bei der Denkmalpflege im Landkreis gestellt. Die Verwaltung fördert derzeit mit einem besonderen Programm denkmalgerechte Sanierungen.

Gebaut wurde das Fertighaus des Typs „fg 2000“ nach den Plänen des Formenbaumeisters Wolfgang Feierbach. Dieser Haustyp entstand nur zwischen den Jahren 1968 und 1979. Von den ursprünglich 39 gebauten Häusern stehen bundesweit nur noch eine Handvoll. Das obere Stockwerk wurde aus glasfaserverstärkten Kunststoffelementen gebaut. „Beim Einzug fanden wir das Haus gar nicht ungewöhnlich. Mittlerweile bin ich aber eine begeisterte Kunststoffhausbesitzerin. Es ist schon etwas Besonderes, in diesem Denkmal zu wohnen. Jetzt bin ich froh, dass wir eine Förderung erhalten, um die Fensterscheiben zu erneuern“, sagte Saalfeld. Die aufwändigen Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr erfolgen. Im Garten wird dann ein Kran stehen, der die schweren Fensterscheiben bewegt. Die Originalrahmen bleiben so aber erhalten. „Wichtig für mich war die Beratung durch Herrn Seehafer von der Denkmalpflege des Landkreises. Er hat mich bei der Antragstellung unterstützt, das war sehr hilfreich für mich“, erklärte Saalfeld.

Denkmalpflege unterstützt und berät Hauseigentümer

Über 1.400 Baudenkmale gibt es im Landkreis Wolfenbüttel. Prägend für den Landkreis Wolfenbüttel sind die vielen Fachwerkgebäude, aber es gibt auch moderne Baudenkmale, wie das von Sonja Saalfeld. Für die Einhaltung des Denkmalschutzes im Landkreis und den einhergehenden gesetzlichen Auflagen bei Baumaßnahmen an geschützten Gebäuden ist Denkmalpfleger Kai Seehafer zuständig. Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist es, Bedenken von Eigentümern aufzuklären. Auch Saalfeld war skeptisch, als ihr Seehafer vorschlug, das Gebäude als Denkmal eintragen zu lassen. „Ich hatte zunächst ein paar schlaflose Nächte. Meine Befürchtung war, dass ich dann nichts mehr umbauen darf und auch der Wiederverkaufswert sinkt.“

„Für Baudenkmale gelten besondere gesetzliche Vorgaben, aber selbstverständlich können Umbauten und Sanierungen stattfinden“, erklärte Denkmalpfleger Seehafer. „Wichtig ist, sich vorher mit der Denkmalpflege zu beraten und gemeinsam eine Lösung zu finden. Ich möchte mit meiner Arbeit aufzeigen, was alles möglich ist“, so Seehafer weiter. Die Denkmalpflege könne zudem eine baurechtliche Einschätzung geben. Außerdem ist die Denkmalpflege dem Amt für Bauen und Planen angeschlossen, was eine Bearbeitung von Anträgen erleichtert.

Auch für die Denkmalförderung ist es wichtig, sich vor Beginn einer Maßnahme an die Denkmalpflege zu wenden. Eine Förderung könne nur positiv entschieden werden, wenn noch nicht mit den Arbeiten begonnen wurde. Gefördert werden unter anderem Malerarbeiten, Tischler- und Zimmererarbeiten an Fenstern, Türen, Toren und Fachwerkteilen, Dacheindeckungen, aber auch der Erhalt und die Instandsetzung historischer Wege und Platzbefestigungen. Für die Jahre 2017 bis 2019 sind insgesamt 300.000 Euro dafür vorgesehen. Pro Objekt können 30 Prozent der anfallenden Kosten gefördert werden. Die Fördersumme beträgt mindestens 500 Euro sowie höchstens 5.000 Euro.

Raumstation am Elm

Saalfeld zeigt sich sehr zufrieden über die gelungene Zusammenarbeit: „Es hat sich gezeigt, dass Behörde und Eigentümer gut zusammenarbeiten können. Mit dem Denkmalstatus kam auch eine besondere Achtung für das Haus. Es macht Spaß, hier zu wohnen“, sagte Saalfeld. Seit 2009 ist ihr Wohnhaus, Typ „fg 2000“, denkmalgeschützt. In Ihrer Wohnung stehen auch noch die Originalmöbel aus Kunststoff, die Bestandteile des Gebäudes sind. Wegen der futuristischen Erscheinung, die an Science-Fiction-Filme der 1970er erinnert, werde das Haus von den Nachbarn auch als „Raumstation am Elm“ bezeichnet.

Weitere Informationen

Antrag und Zuwendungsgrundsätze gibt es hier.

Für geplante Maßnahmen in der Stadt Wolfenbüttel berät die Denkmalpflege der Stadt. Parallel wurde auch hier dasselbe Förderprogramm aufgelegt. Informationen dazu gibt es auf der Homepage der Stadt.