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08.12.2017

20 Jahre Landschaftspflegeverband: Der richtige Schnitt für den Artenschutz

Für die richtige Heckenpflege wurde schweres Gerät aufgefahren: Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Wolfenbüttel informierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jubiläumsveranstaltung des LPV Wolfenbüttel (Landschaftspflegeverband) im Vorwerk Tempelhof bei Hornburg über die ökologischen und rechtlichen Aspekte der Heckenpflege.

Hintergrund ist der „Masterplan Naturschutz“, ein Strategiepapier, um Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten in der Landschaft zu erhalten. Der Teilnehmerkreis setzte sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft, Naturschutzverbänden wie BUND und NABU, einer Abordnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Verwaltung des Landkreises Wolfenbüttel. Im Anschluss gab es eine Demonstration mit Großmaschinen für die Heckenpflege.

Hecken als vielfältiger Lebensraum

„Wir wollen dem Artenschwund entgegenwirken“, sagte Ulrike Wronski von der Unteren Natur-schutzbehörde über den Masterplan. „Dessen wesentliches Ziel ist es, die Artenvielfalt hier vor unserer Haustür zu fördern. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Biotopvernetzung, die besonders durch strukturreiche, vielfältige Hecken gefördert wird.“ Der Verlust von Lebensräumen sei in Deutschland deutlich festzustellen. Es gibt immer weniger Insekten sowie immer weniger typische Vögel der Feldflur wie Kiebitze, Rebhühner oder Braunkehlchen, zeigte Wronski auf.

Ein ganz wichtiges Ziel des Landkreises sei es im Sinne der Biotopvernetzung neue Hecken anzulegen. Dafür leistet der Landkreis fachliche Unterstützung – er berät und fördert Neupflanzungen nach dem Braunschweiger Modell zur aktiven Landschaftspflege.

Die Biologin Susanne Kracht, beauftragt vom Landkreises Wolfenbüttel für die Förderung des Bio-topverbandes, betonte die vielfältigen ökologischen Funktionen von Hecken. Diese sind Lebensraum von Bestäubern oder humusaufbauenden Kleintieren. Außerdem vermindern die Hecken durch ihre Wurzeln die Bodenerosion, sagte Kracht. Wichtig ist die Biotopvernetzung, also dass die Hecken als „grünes Band“ vorhandene Biotope miteinander verbinden, so Frau Kracht. Hecken seien prägend für eine Landschaft, sie beleben und gliedern sie.

Pflegetipps für den Heckenschnitt in der Landschaft

„Hecken müssen in größeren zeitlichen Abständen, regelmäßig geschnitten werden, da sie sonst überaltern und ihre ökologische Funktion verlieren“, so Susanne Kracht. Die Pflege solle die Vielfalt fördern und die Stufigkeit der Hecken erhalten. Bei der Pflege sei zu berücksichtigen, dass niemals die ganze Hecke bodennah (ca. 20 - 60 Zentimeter über dem Boden) zurückgeschnitten wird („auf den Stock setzen“), sondern die „Heckenbewohner“ genügend Ausweichmöglichkeiten hätten. Dazu reiche es aus, alle 7 bis 15 Jahre die Hecke auf den Stock zu setzen. Pro Pflegeabschnitt sollten ein paar langsam wachsende Dornensträucher oder einzelne große Bäume stehen gelassen werden. Erst wenn die geschnittene Hecke genügend Zuwachs hat, sollten die anderen Heckenabschnitte verjüngt werden.

Für den Heckenschnitt zuständig sind die jeweiligen Feldinteressentschaften. Diese sind Zusammenschlüsse von Landwirtinnen und Landwirten, denen die Felder gehören. Durch die Verwertung des gewonnenen Heckenholzes als Hackschnitzel für die Energieerzeugung können die Kosten für die Heckenpflege gesenkt werden.

Zeitfenster für den Heckenschnitt sind klein

Vor Ort zeigte Clemens Löbbecke, Inhaber eines Unternehmens für Landschaftspflege, Probleme der praktischen Umsetzung des Heckenschnittes auf. So seien Hecken oft zu nah an Wegen gepflanzt. Viele Hecken könnten nur bei Frost geschnitten werden, da für die großen Maschinen die Äcker zu nass seien. Aus diesem Grunde sei das Zeitfenster der Durchführbarkeit oft zu klein. Eine mögliche Lösung sei die bessere Planung bei Heckenneupflanzungen, auf beiden Heckenseiten würden Krautstreifen die spätere regelmäßige Pflegeverjüngung deutlich erleichtern.

Im Anschluss fuhren die Gäste in die Feldmark, um die Maschinen zum Heckenrückschnitt in Aktion zu sehen. Clemens Löbbecke zeigte mit Hilfe eines großen Schneidgreifers wie der Rückschnitt von großen Heckenabschnitten mit nur einem Bediener möglich ist. Der Schneidgreifer erfasst das Schnittgut, schneidet es sauber ab und legt es auf dem mitgeführten Wagen ab. Von dort wird das Material an geeigneter Stelle abgelegt, damit später der Großschredder das Heckenmaterial zerkleinern und es aus der Fläche abtransportiert werden kann.

Hintergrund

Im Dezember 1997 wurde der Landschaftspflegeverband (LPV) Wolfenbüttel e.V. als Kooperation von Naturschutz, Landkreis und Landwirtschaft gegründet. Nur noch in zwei weiteren Landkreisen Niedersachsens gibt es Landschaftspflegeverbände, im Landkreis Göttingen und im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Die Akteure arbeiten hier gleichberechtigt und freiwillig gemeinsam an für die Region wichtigen Themen der Landschaftspflege und führen Pflegemaßnahmen durch.