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21.11.2017

Podiumsdiskussion zur Umgebungsüberwachung an der Asse 2

„Ich hätte mir gewünscht, hier und heute schon von größeren Fortschritten berichten zu können. Wir stellen fest, dass sich unsere Bemühungen zäh gestalten“, hat Landrätin Christiana Steinbrügge auf einer Podiumsdiskussion zur Messung der Radioaktivität in der Umgebung der Asse 2 gesagt. Im Gemeindehaus Remlingen diskutierten über 90 Bürgerinnen und Bürger, eine Vertreterin der Wolfenbütteler Atom-Ausstiegs-Gruppe (WAAG) sowie Experten am vergangenen Mittwoch über die Umgebungsüberwachung sowie ein Gesundheitsmonitoring an der Schachtanlage Asse 2 zur Messung und möglichen Auswirkungen von radioaktiver Strahlung.

Landrätin fordert Maßnahmen ein

In ihrer Begrüßung ging die Landrätin des Landkreises Wolfenbüttel auf die drei Punkte ein, die noch geklärt werden müssen. Das betrifft die Frage, ob aufgrund der Strahlung mehr Jungen als Mädchen geboren würden. Dazu sollen auch Zeiträume vor der Einlagerung betrachtet werden. Eine Untersuchung wird derzeit ausgeschrieben. Weiterhin soll das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) ausgewertet werden. Ein aussagekräftiges Gesundheitsmonitoring zu entwickeln, ist der dritte Punkt. Dafür stehe der Landkreis in Kontakt mit dem Robert-Koch-Institut, um Erhebungs- und Auswertungsumfang abzustimmen.

Der neue technische Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Dr. Thomas Lautsch stellte sich dem Publikum vor. Für ihn sei die Veranstaltung wichtig, um zu lernen, wo die Fragestellungen liegen. Er sei sicher, dass das BGE auf einem guten Weg sei, denn „wir haben viel Know-How an Bord.“

Grenzwerte werden deutlich unterschritten

Für Fachvorträge wurden Dr. Volker Kunze vom BGE sowie Professor Dr. Wolfgang Hoffmann von der Universität Greifswald eingeladen.

Kunze erklärte die Messverfahren an der Schachtanlage. Über eine Abluft-Anlage, den Diffusor, gelangen erhebliche Mengen Luft und Stäube aus dem Bergwerk in die Umgebung. In diesem Diffusor stecken auch die Messinstrumente, um die Radioaktivität zu messen und zu berechnen. Diese Proben würden von einer unabhängigen Stelle im Bundesamt für Strahlenschutz kontrolliert. Das Ergebnis: Die Grenzwerte für die Strahlenbelastung für die Menschen in der Region würden deutlich unterschritten.

Hoffmann, der zu den Gesundheitsauswirkungen von Strahlung forscht, zeigte an eigenen Untersuchungen auf, wie wichtig das Untersuchungsdesign für eine aussagekräftige Erhebung ist. So kann der Zeitraum, der für eine Untersuchung betrachtet wird, entscheiden, ob etwa Krebserkrankungen gehäuft auftreten oder im Normbereich liegen. Hoffmann zeigte auf, wie ein Umweltmonitoring aussehen könne: In konzentrischen Kreisen ausgehend von der Asse werden die darin liegenden Gemeinden untersucht. Dafür müssten Fälle von Schilddrüsenkrebse oder Leukämien erhoben und ein Mittelwert auf fünf Jahre erstellt werden. Hier sei es wichtig, einen Vorherwert zu haben.

Kritik an der bisherigen Umgebungsüberwachung

Die beiden Experten nahmen an der anschließenden Podiumsdiskussion teil. Weitere Teilnehmerin und Teilnehmer waren Eleonore Bischoff von der WAAG und Radioökologe Dr. Rainer Gellermann.

Die bisherigen Untersuchungen seien unzureichend, merkte Bischoff an. Sie kritisierte die bisherigen Untersuchungen, die ihrer Ansicht nach nicht ausreichend seien. „Da hat die Qualitätskontrolle versagt“, so Bischoff.

Auch Rainer Gellermann ist vom derzeitigen Stand der Umgebungsüberwachung nicht überzeugt. Die Verantwortlichen kümmerten sich seiner Meinung nach nicht ausreichend um die Menschen vor Ort.

Viele Fragen der Bürger

Den Teilnehmenden der Podiumsdiskussion wurden von den Bürgerinnen und Bürgern viele Fragen gestellt, die ausführlich beantwortet wurden. Die gestellten Fragen hatten zum Teil ein sehr hohes fachliches Niveau, auf das die Experten aber vorbereitet waren.

Die Diskussion leitete Pastor Rolf Adler, der Umweltbeauftragte der evangelischen Landeskirche Braunschweig und Hannover. Durch seine Moderation sorgte Adler für eine freundliche und respektvolle Diskussionskultur.