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Hochwasser: »Es hat uns in der letzten Woche mit aller Macht getroffen«

Über eine Woche hält das Hochwasser die Menschen im Landkreis Wolfenbüttel jetzt schon in Atem. Der entstandene Schaden ist hoch und nicht jeder Betroffene wird ihn alleine stemmen können.

Landrätin Christiana Steinbrügge zog am Dienstag im Wolfenbütteler Rathaus gemeinsam mit den Verwaltungsspitzen des Landkreises und seiner Mitgliedskommunen sowie mit Vertreterinnen und Vertretern von Feuerwehr, Katastrophenstab, Polizei, DRK, THW und Stadtwerken vor Journalisten eine erste Zwischenbilanz. Der Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, Armin Maus, lieferte Informationen zu einer gemeinsamen Spendenaktion für die Hochwasseropfer.

Die letzten Tage sind weder an den direkt Betroffenen, noch an den Helfern und an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Katastrophenstab oder in den Verwaltungen spurlos vorübergegangen. Von Normalität könne man noch lange nicht sprechen, so Christiana Steinbrügge. Aufgrund der Vielzahl der Betroffenen stehe man nun vor der nächsten Herausforderung – und auch wenn es schwerfalle hofft sie auf etwas Geduld. „Wir müssen zunächst den entstandenen Schaden erfassen, damit wir zielgerichtet helfen können“, so die Landrätin.

Auch Sigmar Gabriel informierte sich persönlich über die Situation in seinem Wahlkreis und war von dem, was er zu sehen bekam, tief betroffen. Die vergangenen Tage konnte er die Lage nur aus der Ferne verfolgen, da er in seiner Funktion als Außenminister nicht im Lande war. „Es ist erschütternd, was Menschen da durchmachen“, sagte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel zur Hochwassersituation.

Steuererleichterungen für Betroffene

Für Betroffene stellte Gabriel Steuererleichterungen in Aussicht. Sie könnten zum Beispiel Anträge auf Steuerstundung und- streckung stellen. Neuen Hausrat und Kleidung kaufen sowie Schäden an Wohnung oder Haus beseitigen werde als außergewöhnliche Belastung bei der Steuererklärung angerechnet. Unternehmen könnten beim Wiederaufbau Sonderabschreibungen geltend machen. So müssten Betroffene sich nicht unnötig mit dem Finanzamt auseinandersetzen. Darauf habe sich das Land Niedersachen mit dem Bundesfinanzministerium geeinigt. Eine ähnliche Regelung gab es schon für Hochwasseropfer in Bayern in 2016. „Davon profitiert allerdings nur, wer auch Steuern zahlt“, merkt Gabriel an. Menschen ohne, oder nur mit geringem Einkommen, brauchen direkt finanzielle Unterstützung, etwa durch Spenden.

Spenden helfen gerade Menschen, die wenig Vermögen haben

„Wir wollen helfen“, bekräftigt hier BZ-Chefredakteur Armin Maus. Der Landkreis Wolfenbüttel und die Braunschweiger Zeitung/Wolfenbütteler Zeitung rufen daher gemeinsam die Bevölkerung im Landkreis auf, für Betroffene zu spenden. Gerade Menschen, die kein großes Vermögen haben, kommen diese Spenden zu Gute. Ein Spendenkonto des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Braun-schweig bei der Braunschweigischen Landessparkasse ist eingerichtet (IBAN: DE5325050000 0000300616, Stichwort „Fluthilfe“).

Die Situation in den Gemeinden

Wie das Wasser in den Landkreiskommunen wütete, davon berichteten die Vertreter der Städte und Gemeinden. Vor allem die Ortslagen Oelber und Baddeckenstedt seien Schwerpunkte des Hochwassers in der Samtgemeinde Baddeckenstedt gewesen, erklärte Samtgemeinde-Bürgermeister Klaus Kubitschke. Die Situation an der Innerste verursachte rund 100 Einsatzstellen. Die Bewohner der unteren Etage eines Seniorenheims mussten in das Obergeschoss gebracht werden. Ein Damm in Oelber hatte gerade noch dem Wasser standgehalten. „Wir sind da mit einem blauen Auge davongekommen“, so Kubitschke. Insgesamt seien rund 100 Haus- und Wohnungs-Eigentümern vom Hochwasser betroffen.

„Es hat uns in der letzten Woche mit aller Macht getroffen“, so fasst Marc Lohmann, Samtgemeinde-Bürgermeister in Oderwald, das Geschehen zusammen. Besonders in den Orten Heiningen, Dorstadt und Ohrum seien die Menschen von den Fluten geschädigt worden. Der Bahnhof Börßum sei immer noch nicht anfahrbar. In der Bahnunterführung stünde das Wasser noch 25 Zentimeter hoch. Regenfall in der Nacht von Montag auf Dienstag habe den Wasserstand noch um 14 Zentimeter erhöht. Wir haben ein großes Interesse, den Bahnhof wieder anfahrbar zu machen, vor allem in Hinblick auf den Beginn der Schule am Donnerstag, so Lohmann weiter. Die Pumpen seien im Einsatz, aber es sei fraglich, ob der Bahnhof zu Schulbeginn wieder in Betrieb sei.

In der Einheitsgemeinde Schladen-Werla waren vor allem die Orte Schladen und Hornburg betroffen. Die Hochwasserschutzmauer in Schladen hielt dem Wasser stand, aber es hätte auch hier nicht mehr viel gefehlt und das Wasser wäre in den Ort geflutet. „Das wäre der GAU gewesen“, so Gemeinde-Vertreter Michael Petrick. 100 Haushalte mit 200 Personen seien vom Hochwasser betroffen, so Petrick.

In Wolfenbüttel sind rund 200 Haushalte vom Hochwasser betroffen. Etwa 750 Personen leben in diesen Bereichen. Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink ahnt, dass dies nicht das letzte Hoch-wasser in dieser Dimension sei. Die Stadt prüfe nun kurzfristige Maßnahmen. Dazu gehört, den vorsorglichen Sandsack-Vorrat sowie den Kauf von weiteren Pumpen zu überprüfen. Er lobte die Arbeit des Katastrophenstabes ausdrücklich, die einen koordinierten Einsatz aller Einsatzkräfte und Helfenden ermöglichte.

Schutzmaßnahmen verhinderten Schlimmeres

Einig waren sich die Spitzen von Verwaltung und Politik, dass die bereits umgesetzten Hochwasser-Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre Schlimmeres verhinderten. So wurde in Baddeckenstedt der Damm am Hengstebach nach dem Hochwasser 2007 erhöht. Ebenso ein Baugebiet. „Die Schutzmaßnahmen haben gegriffen“, so Kubitschke. Auch in Schladen-Werla war die neue Hochwasserschutzmauer eine Reaktion auf das Hochwasser von 2007 und hat nun verhindert, dass der Ort geflutet wurde. Alle wissen aber auch: Der Hochwasserschutz muss weiter ausgebaut werden. Ein Ziel für die Zukunft sei, so die Gemeinde-Vertreter, Schutzmaßnahmen schneller und unbürokratischer umzusetzen.

Spendenaufruf von Landkreis Wolfenbüttel und Braunschweiger Zeitung/Wolfenbütteler Zeitung

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